Grundsätzliches

...über Haltung


Sie haben sich entschlossen, Meerschweinchen zu kaufen und bei sich leben zu lassen. Dazu gehört es, sich über die Bedürfnisse der kleinen Nager zu informieren und für optimale Bedingungen zu sorgen.

Soziales  Verhalten - Vergesellschaftung 

In ihrer natürlichen Umgebung leben Meerschweinchen in sozialen Gruppen in Kolonien. In ihrer sozialen Umgebung zeigen sie ein äußerst vielfältiges und interessantes Verhalten, welches auch nach ihrer Domestizierung und in Gefangenschaft gefördert und erhalten werden sollte. Dieses geschieht am besten in größeren Gruppen in großen Ausläufen. Meerschweinchen handeln teils durch genetisch ererbtes Verhaltensmuster, vieles lernen sie aber eben durch das Leben im sozialen Gefüge, z.B. das Fressverhalten, was man wie fressen kann, Beschwichtigungsrituale, aber auch aggressives Verhalten wird teils erlernt. So sind nach meiner Beobachtung Meerschweinchen häufig bessere Mütter, wenn sie vor ihrer eigenen Mutterrolle schon Kontakte zu Babys haben durften. 

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Auf keinen Fall sollten Meerschweinchen einzeln gehalten werden. Sie brauchen Kontakt zu Artgenossen. Meerschweinchen sind auf Artgenossen und einen artgerechten großen Lebensraum angewiesen, was ihnen kein Mensch ersetzen kann.

Für mich sind einzeln gehaltene Meerschweinchen, die ein Leben lang im Kinderzimmer verkümmern, eine grauenvolle Vorstellung. Selbst wenn man sich am Tag zwei Stunden mit dem Schweinchen beschäftigen würde, was ja schon viel wäre, ist dies kein Ersatz für 22 Stunden Einsamkeit, auch kein Ersatz für einen Artgenossen. Man sollte auch soviel Selbstbewusstsein besitzen,  zu akzeptieren, dass ein Meerschweinchen seinen Kumpel vielleicht lieber mag, oder freuen Sie sich wirklich an einem kleinen Nager, der aus Not und Einsamkeit immer nach ihnen verlangt?


Zudem habe ich nie die Beobachtung gemacht, dass die Schweinchen zahmer werden, wenn sie allein leben, vielmehr hängt das von ihrem individuellen Charakter ab und zeigt sich auch in der Gruppe. Vielleicht sogar noch deutlicher, da ein Gruppentier nicht so verängstigt ist, wie ein einzeln gehaltenes Meerschweinchen. Was gibt es zudem netteres, als die Tiere mit ihrem vielfältigen Sozialverhalten zu beobachten.

Also mindestens ein zweites Meerschweinchen ist absolute Pflicht.

 


Gruppenhaltung wie hier: Ein Böckchen und mehrere Mädchen

In freier Wildbahn kann man kleine Trampelpfade beobachten, auf denen die Meerschweinchensippen hintereinander im Gänsemarsch hertrippeln, die Jungtiere in die Mitte eingeschlossen, dabei kontaktieren sie ständig über Stimmlaute miteinander um sich z.B. im höheren Gras nicht zu verlieren. Eine Rangordnung innerhalb der Gruppe gibt Festigkeit im sozialen Gefüge und sorgt für Ordnung und somit wird auch ein harmonisches Miteinander gewährleistet.

Grast z.B. die Sippe im Freien, halten ein oder mehrere Meerschweinchen Wache, um gegebenenfalls die Gruppe  mit einem scharfen Pfeiflaut zu warnen, woraufhin sich alle Familienmitglieder in Sicherheit bringen.

Es gilt also gut harmonierende Gruppen zusammen zu stellen, die in unserer Obhut leben dürfen, ihr Sozialverhalten ausleben können und ihren Instinkthandlungen folgen sowie erlernte Verhaltensweisen zeigen können.

 

Drohgebärden

Beißereien kommen bei MS relativ selten vor, eher harmloses Imponiergehabe, die in harmonischen Rudeln an der Tagesordnung sind. Da wird geschubst, gedrängt und drohend der Kopf gehoben, um sich Respekt zu verschaffen bei den Mitbewohnern.  Dabei kann man beobachten, dass nicht wirklich zugebissen wird, der Kiefer bleibt geöffnet und somit werden keine gewollten Verletzungen zugefügt.

Heftiger geht es bei Auseinandersetzungen zu, bei denen ein neuer Artgenosse zugesetzt wird. Die Rangordnung muss nun erneut festgesetzt werden, bzw. bestätigt werden. Dabei unterscheiden die aufgebrachten Meerschweinchen nicht mehr zwischen Freund und Feind, und es entstehen regelrechte Tumulte im Stall. Auch hier entscheidet die Ausweichmöglichkeit im Gehege bzw. Stall über die Heftigkeit der Auseinandersetzungen. Meist dauert es aber nur wenige Tage, bis sich diese Aufregungen wieder legen.

Es gibt sehr dominante Weibchen, die sich bei neuer Vergesellschaftung ausgesprochen aggressiv verhalten. Dabei wird mit drohendem Kopfheben, offenen Maul und sogn. Zähneraspeln, Fellaufstellen, mit der Breitseite drohen, oder sich mit dem Hinterteil anrempeln gedroht und evtl. auch gekämpft. Diese Tiere sollte man mit möglichst ebenfalls dominanten Weibchen vergesellschaften, dann legt sich häufig ihr aggressives Verhalten. Man muss hier ein wenig Fingerspitzengefühl besitzen, um möglichst harmonische Zusammenstellungen zu finden. Auch kann es zu einem späteren Zeitpunkt plötzlich besser klappen.

Treffen allerdings zwei erwachsene bzw. geschlechtsreife Böcke aufeinander, können solche Beißereien blutig enden. Die Tiere greifen sich an, indem sie aufeinander zuspringen und auch ineinander verbeißen. Man sollte in solchen Fällen nie mit bloßen Händen dazwischen greifen, um die beiden Rivalen voneinander trennen zu wollen. Die Böckchen werden nicht mehr zwischen Feind und Menschenhand unterscheiden und einem sehr unangenehme Bissverletzungen zufügen. Böckchen lassen sich dennoch vergesellschaften, wenn man gewisse Grundregeln einhält!

Bei solchen kommunikativen Verhalten zeigen sich auch häufig so genannte Beschwichtigungsrituale, dabei brummeln die MS beschwichtigend vor sich hin und schaukeln dabei mit dem Hinterleib hin und her. Dieses Verhalten, was man ja auch vom Werbeverhalten der Böcke bekannt ist, beruhigt die Artgenossen. 

Schon ganz kleine Böckchen von ca. drei Wochen üben und imitieren so ein Beschwichtigungs- und Werberitual. Das ist ein erlerntes Verhaltensmuster.

Kommunikation

Meerschweinchen haben ihre eigene Laut- und Körpersprache. Die Kontaktaufnahme per Stimme beginnt schon im Mutterleib. Die tragende Meerschweinchenmutter gluckst  kurze Zeit vor der Geburt zu ihren im Bauch lebenden Jungen. Sollte sie das Glucksen einstellen, sind vermutlich die Babys aus welchen Gründen auch immer abgestorben.

Meerschweinchen lernen sehr schnell Geräusche und Stimmen genau zu unterscheiden. So kann z.B. das Aufschließen der Haustür, oder das Schälen der Gurke zu einem wahren Pfeifkonzert führen, welches von erwartungsvollen Meerschweinchen entfacht wird, die sich einen Leckerbissen erhoffen. Dieser Bettellaut gilt übrigens ausschließlich dem Menschen.

Es gibt also viele verschiedene Glucks- und Pfeiflaute, die für spezielle Situationen stehen, so ruft die säugende Mutter ihre Jungen mit eigens dafür stehenden glucksenden Lauten zur Milchmahlzeit, untereinander wird sich regelrecht unterhalten mit verschiedenen Tönen, so dass eine wirkliche Kommunikation vorhanden ist. Ein einzeln gehaltenes Meerschweinchen, auch eines, das nur ein Kaninchen zur Gesellschaft hat, verstummt mit der Zeit.

Eine besonders selten zu beobachtende Lautäußerung ist das „Cirpen“, dieses wissenschaftliche und lautmalerische Wort beschreibt das Geräusch der Meerschweinchen ziemlich genau. Es hört sich an wie „Vogelgezwitscher“. Dieser Laut beginnt meist ziemlich leise und heiser und steigert sich mit enormer Kraft und Lautstärke. Es ist die lauteste Äußerung der Meerschweinchen und scheint sehr viel Kraft vom Meerschweinchen abzuverlangen. Man kann bei jedem Ausstoßen des Lautes den ganzen Körper in Bewegung sehen. Vermutlich ist eine hohe Erregung und leichte Verunsicherung verantwortlich für diese Laute. Z.B. wurde es beobachtet bei Rangordnungskämpfen, bei Brunsteinsatz mehrer Weibchen in der Gruppe, bei aussichtslosen Situationen, z.B. bei einem unterlegenen Bock, der sich aus Platzgründen nicht zurückziehen kann. Ich selbst konnte diese Laute bei jungen, werdenden Müttern beobachten, ungefähr zu der Zeit, als sich ihre Babys zum ersten mal bewegten. Vermutlich waren sie in ihren Sinneswahrnehmungen irritiert und überfordert. Dafür spricht auch ein ehemaliges Böckchen von mir, der mich mit diesen Lautäußerungen nachts weckte, immer wenn ein Weibchen Junge bekam.  Diese Laute setzen nach einem Ereignis ein, nicht direkt dabei. Dieses Cirpen der Meerschweinchen kann sich von kurzer Dauer, bis hin zu immer wiederkehrenden, langen Zeiträumen hinziehen. Allerdings hören die Cirper sofort auf, wenn sie dabei gestört werden. Das kleinste Geräusch bringt sie sofort zur Ruhe. Alle anwesenden Meerschweinchen in dem Umfeld des „Sängers“ erstarren sofort in allen Bewegungen und Aktivitäten und lauschen dem Laut gebenden Meerschweinchen.

Das Cirpen tritt vor allem dann auf, wenn ein Tier sozial überfordert ist, d.h. mit einer bestimmten sozialen Situation nicht richtig klarkommt. Insgesamt ist das Cirpen eine nur sehr selten ausgeführte Vokalisation.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass derjenige beruhigt sein kann, der bei seinen Meerschweinchen das Cirpen so gut wie nie zu hören bekommt. Seine Meerschweinchen stehen offenbar nicht so sehr unter Stress und brauchen nicht zu cirpen, um den Stress abzubauen.

Geruch

Weiterhin spielt die Geruchswahrnehmung eine wesentliche Rolle. Die Tiere erkennen sich an ihrem „gruppentypischen“ Geruch, so werden bei der Kontaktaufnahme Geruchseindrücke verarbeitet. Dazu werden neue Tiere intensiv an der Schnauze und im Genitalbereich beschnuppert. Dieses kann man sich zu nutze machen wenn man Tiere neu vergesellschaften möchte und sie mit einem neutralen Geruch „verwirren“, indem man sie z.B. mit einem Duftstoff (ungiftig!) benetzt, so dass sie erst einmal den Neuen geruchlich nicht einordnen können. Ich konnte feststellen, dass Meerschweinchen die bei mir aus den Boxen in den Mutter- und Kindauslauf kamen, freundlicher aufgenommen wurden, als Tiere die von einer befreundeten Züchterin in den Auslauf kamen, vermutlich rochen sie eben deutlich anders!

Häufig kann man auch die kleinen Gesellen beobachten, wenn sie ihre Stallgenossen inbrünstig im Maulbereich abschnuppern, um zu erkennen welchen Leckerbissen der andere gerade verspeist hat.

 

Vergesellschaftung

Die Gruppenhaltung ist artgerecht und daher natürlich anzustreben. Anzahl der in der Gruppe lebenden Tiere ist natürlich abhängig von der Gehegegröße. In größere Gruppen lassen sich neue Tiere besser einfügen als in kleine Gruppen, außerdem gibt es durchaus unter Meerschweinchen Sympathien und Antipathien, die auch berücksichtigt werden sollten. Auch spielt das Alter der Tiere eine Rolle, junge Meerschweinchen sind neugierig, tolerant gegenüber Neuem und toben gerne umher. Ältere Meerschweinchen lieben vermehrt Wärme (keine Hitze!), Ruhe und schlafen viel, auch mögen sie nicht mehr so gerne Veränderungen im Gehege, vor allem wenn noch die Sehkraft abnimmt.

Zwei oder mehrere Weibchen


Mehrere Weibchen kommen meistens bestens miteinander aus. Selten gibt es leichte Unstimmigkeiten oder Aggressionen, die bei entsprechendem Platzangebot meist schnell geregelt sind. Viel Platz ist sowieso das Zauberwort bei jeglichen Haltungsproblemen. Bei entsprechendem Platzangebot und mehreren Versteckmöglichkeiten für die Tiere, lassen sich auch ältere Weibchen gut in bestehende Gruppen integrieren.  Sollten sich sehr dominante Weibchen als Problem erweisen, hilft es auch erst einmal reinen Sicht- und Geruchskontakt herzustellen, z.B. mit einem Käfig im Auslauf. So können sich beide Parteien langsam aneinander gewöhnen und das direkte Zusammentreffen verläuft harmonischer.


Es gibt hier eigentlich nur Probleme, wenn ein Weibchen über lange Zeit allein leben musste und nicht die Chance hatte, ein normales Sozialverhalten zu lernen. Hier würde ich zur Vergesellschaftung mit einem kastrierten, älteren Böckchen raten.


Weibchen und Böckchen werden sich immer vertragen, man sollte hier natürlich den Bock kastrieren lassen, wenn man keinen unerwünschten Nachwuchs bekommen möchte.


 


Zwei oder mehrere Böckchen


Auch zwei oder mehrere Böckchen lassen sich prima zusammenhalten, wenn man doch nur bestimmte Regeln befolgt!


Folgende Vergesellschaftung ist möglich:


Zwei oder mehrere junge, noch nicht geschlechtsreife Böckchen, am besten im Alter von 3-4 Wochen, die zusammen aufwachsen. Hier hat sich gezeigt, dass die Männchen einen ganz niedrigen Stand von Sexualhormonen erreichen, somit auch friedlich und harmonisch mit den anderen Böckchen zusammenleben. Meist übernimmt einer die Führung und die anderen imitieren den weiblichen Part, unterlassen weitestgehend  das Gegockel, quieken wie ein sich belästigt fühlendes Weibchen und erdulden das Aufreiten.


Zu einer bestehenden Bockgruppe ein junges, höchstens 3-4 Wochen altes Böckchen dazusetzen (Gewicht möglichst ab 240 Gramm bis ca. 280 Gramm), was dann gut funktioniert, wenn genügend Platz und Versteckmöglichkeiten bestehen. Allerdings kann es hierbei zu vorübergehende Streitigkeiten bei den alteingesessenen Böcken kommen.


Auch einem erwachsenen Böckchen lässt sich prima ein wirklich junges, 3-4 Wochen altes Böcken dazusetzen, dieses wird dann ebenfalls keine große Produktion an Sexualhormonen haben und die Rangfolge ist meistens sofort geklärt.


Wichtig ist also immer, dass die Böckchen jung genug sind, dann sind keine Probleme zu erwarten.


Zwei erwachsene Böcke miteinander zu vergesellschaften erfordert mehr Geduld und Platz und ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Noch schwieriger wird es, wenn beide Böcke schon Mädchenkontakt hatten, oder in der Zucht waren. Aber einen Versuch ist es allemal wert, da ich solche Verbindungen auch schon positiv gesehen habe. Allerdings sollte man solche Vergesellschaftungen immer im Auge behalten, denn falls eines der Tiere zu sehr unterdrückt wird, massiv abnimmt o.ä., sollte diese Gemeinschaft besser aufgelöst werden. Sollte es sogar zu Beißereien kommen, selbstverständlich auch!

Hier würde auch eine Kastration in dem Stadium nicht mehr helfen, da sich das Verhalten der geschlechtsreifen Böcke bereits gefestigt hat. Ein spät kastrierter Bock wird auch noch weiterhin sein Werbeverhalten und Aufreiten sowie alle anderen männlichen Verhaltensweisen beibehalten. Eine Ausnahme sind hier Frühkastrationen im Alter von ca. 6 Wochen, diese Frühkastraten sind wiederum deutlich neutraler und friedfertiger. Allerdings ist das Risiko einer Frühkastration auch höher, allein durch das Narkoserisiko.


Wichtig ist bei allen Bockgruppen, sobald visueller oder geruchlicher Kontakt zu Weibchen besteht, wird ein Bockrudel instabil. Es reicht manchmal schon der gleiche Raum, um Rangordnungskämpfe auszulösen. Die Böckchen sollen nie länger von einander getrennt werden, auch nicht bei Krankheit. Ein Weibchen kann in solchen Gruppen niemals mit leben!

Auch sollte jeglicher visueller, geruchlicher oder akustischer Kontakt, auch über den Betreuer oder das Reinigungswerkzeug für die Ställe, vermieden werden!

Bockgruppen funktionieren bestens, wenn man eben diese Regeln einhält.    

 

...ein Weibchenrudel mit kastriertem Bock


Eine ideale Haltungsform, der Bock sorgt für Frieden zwischen den Mädchen, er übernimmt meist die Führung des Rudels.  Aber auch ein dominantes Weibchen kann die Führung übernehmen. Der Kastrat hat aber einen beschwichtigenden Einfluss auf die Weibchen, auch versucht ein „guter“ Kastrat Streitereien zu beenden. Am besten ist ein erwachsener Bock dieser Aufgabe gewachsen, der schon einmal Deckerfahrungen sammeln konnte. Er wird die nötige Autorität besitzen, so ein Weibchenrudel gut zu führen.

Besonders für Jungtiere ist die Gruppenhaltung unerlässlich, um alle Verhaltensmuster lernen zu können, die ein „Großschweinchen“ dann einmal benötigt.

                                                                        

Kaninchen als Gesellschaft


Eine für mich fragliche Lebensform für beide Arten, sie "sprechen" eine andere Sprache und das Meerschweinchen ist immer unterlegen, wenn das Kaninchen irgendwelche Stimmungsschwankungen auslebt.

Am ehesten ist es zu akzeptieren, wenn mehrere Meerschweinchen den Lebensraum mit zwei Kaninchen teilen, wobei immer kritisch zu beobachten bleibt, ob die Kaninchen nicht urplötzlich anfangen, die wesentlich schwächeren Partner zu tyrannisieren oder mit sexuellen Handlungen zu belästigen. Auch sollten enge Röhren für Fluchtmöglichkeiten für die Meerschweinchen sorgen.

Außerdem sollte der Mensch hier immer kritisch die Situation im Auge behalten, ob das Meerschweinchen nicht vielleicht schon sehr eingeschränkt vom Partner leben muss!

Auch hier bestimmt das Platzangebot die Erfolgsaussicht.

Natürlich gibt es auch Zweckgemeinschaften, die über viele Jahre sehr harmonisch funktionieren, die sollte man dann nicht mehr auseinander reißen, aber das ist nicht immer so...

Bitte tun Sie Ihren Meerschweinchen den Gefallen, es mit einem oder mehreren Artgenossen leben zu lassen. Ihr Schweinchen wird es ihnen mit einem interessanten Sozialverhalten danken, welches immer wieder schön zu beobachten ist.

 

Verhaltensstörungen

Haare fressen ist eine Verhaltensstörung, die viele verschiedene Ursachen haben kann.  Diese Unart kann sich bei ausgewachsenen Meerschweinchen sowie auch bei Jungtieren zeigen. Gelegentlich kommen in manchen Rudeln sogar mehrere Haarefresser vor, was vermuten lässt, dass sich insbesondere Jungtiere manchmal durch reines Abgucken zur Nachahmung animieren lassen.

Die betroffenen Meerschweinchen stellen ihren Stallgenossen nach, kauen deren Haare an oder zupfen ganze Strähnen aus, um sie komplett zu vertilgen. Seltener kommt das Abfressen der eigenen Körperbehaarung vor.

Langhaartiere sind die beliebtesten Opfer von Haarefressern aber auch Kurzhaartiere bleiben nicht immer verschont.

Folgende Ursachen werden diskutiert:

  • Überbelegung, zu kleiner Käfig, Entstehung von sozialem Stress und damit verbundener Aggression
  • Mineralien- u./o. Vitaminmangel (insbesondere bei Zuchtweibchen und deren Jungtieren)
  • Zu wenig, bzw. qualitativ schlechtes Heu, oder auch zu wenig Heuplätze
  • Langeweile bzw. Beschäftigungsmangel, eintönige Käfigeinrichtung (Käfigneurose)

Maßnahmen die Abhilfe schaffen können:

  • Käfigeinrichtung interessanter gestalten (z.B. durch einziehen von zusätzlichen Ebenen, aufstellen von Häusern und Röhren, Futterverstecke ausdenken/ basteln usw.), genügend Anreize zum Rennen, Klettern und Suchen schaffen.
  • Auslauf ermöglichen.
  • Haarefresser nur mit Kurzhaartieren vergesellschaften, oder zu einem ganz dominanten Tier dazugesellen an welches sie sich nicht herantrauen.
  • Größerer Käfig, Besatzdichte verringern.
  • Stets gutes Heu zur freien Verfügung für die Beschäftigung
  • Umstellung des Kraftfutters (Optimierung der Nährstoffzufuhr, siehe Kap. Ernährung) kann versucht werden, bzw. haben in manchen Fällen schon den gewünschten Erfolg gebracht.
  • Nicht unbedingt empfehlenswert, aber doch sehr hilfreich ist das Einsprühen der Stallgenossen mit Sagrotan, das schreckt die Haarefresser meist ab.
  • Leider ist die Unart Haare zu fressen nicht immer heilbar, je länger sie schon besteht, umso aussichtsloser sind die Versuche dagegen anzukommen.  Dennoch sollten alle erdenklichen Maßnahmen versucht werden, um den betroffenen Meerschweinchen zu helfen, zumal die Haarefresserei für sie nicht ungefährlich ist, da sich die gefressenen Haare im Verdauungstrakt zusammen ballen können mit möglichen Folgen wie Verstopfung, Darmverschluss und Tod.

Benagen der Käfiggitter oder ununterbrochenes Trinken aus der Trinkflasche

Benagen der Käfiggitter ist einwandfrei eine Unart die durch Langeweile und Tristesse entsteht. Maßnahmen sind ebenso zu ergreifen, wie beim Haare fressen. Andauerndes Trinken ist ebenfalls eine Unart, die Tiere werden zu „Gewohnheitstrinkern“.  Anderseits gibt es Erkrankungen der Meerschweinchen, z.B. Diabetes, Stoffwechselerkrankungen die auch einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf nach sich ziehen, das muss natürlich ausgeschlossen werden!

Kotfressen

Kotfressen ist bei Meerschweinchen keine Unart, sondern ein normales lebensnotwendiges Verhalten. Bestimmte  B-Vitamine u.a. Stoffe können erst durch den Verdauungstrakt wirksam bzw. verwertet werden. Speziell hoch tragende Meerschweinchen nehmen vermehrt Blinddarmkot auf, typisch ist die sich ständig um die eigene Achse drehende Suchbewegung nach Blinddarmkot der werdenden Mutter. Daher dürfen Meerschweinchen nie vom Kotfressen abgehalten werden. Tiere die mehrere Tage davon abgehalten werden sterben!

 

Fazit: Ein Meerschweinchen benötigt Sozialpartner, mit denen es sich versteht, Platz zum Laufen und Hüpfen, Abwechslung und Ansprache. Sozialphysiologische Untersuchungen an Hausmeerschweinchen haben ergeben, dass die Glukokortikoide in mg im Blut der Meerschweinchen erheblich ansteigt, wenn es unter Stress leben muss. Das Tier nimmt massiv ab (teilweise über 35% des Körpergewichtes), was es über kurz oder lang prädestiniert, krank zu werden.